Anime-Expansion von Netflix: Werden kleinere Streaming-Portale jetzt ausgelöscht?

Anime-Expansion von Netflix: Werden kleinere Streaming-Portale jetzt ausgelöscht?
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Schon seit längerer Zeit fokussieren sich Streaming-Giganten wie Netflix und Amazon Prime Video stärker auf japanischen Zeichentrick. Dadurch werden kleinere Anbieter in die Ecke gedrängt, der Untergang des deutschen Anime-Markts steht aber nicht bevor – im Gegenteil.

Wer den Begriff „Streaming“ hört, verbindet damit meist Netflix. Kein Wunder, denn obwohl der Video on Demand-Anbieter inzwischen nur noch schwankend dem ersten Platz steht, was die Nutzerzahlen betrifft, hat er sich innerhalb der letzten Jahre als feste Größe etabliert. Allein hierzulande besaßen über 10 Millionen Menschen 2020 ein kostenpflichtiges Abonnement.

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Um das Wachstum zu fördern und den Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie Amazon Prime Video auszubauen, setzt Netflix längst nicht mehr nur auf US-amerikanische Serien und Filme. Auslandsproduktionen und Zeichentrick, insbesondere aus dem östlichen Raum – kurz gesagt, Animes, haben sich innerhalb der letzten Jahre als sinnvolle Investition bewährt. Deshalb wird der Katalog des Anbieters derzeit rapide erweitert. Neben fast allen Staffeln von Naruto lassen sich dort mittlerweile auch die neuesten Filmteile zu Sailor Moon und sogar Eigenproduktionen wie die jüngst erschienene Fantasy-Serie Yasuke finden.

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Für den Anime-Markt ist Netflix ein Fluch und Segen zugleich

Dafür dass Netflix mit seinem Angebot eine sehr breite Zielgruppe erreichen möchte, besitzt der Streamingdienst ein enorm großes Anime-Sortiment. Dies ist insofern verwunderlich, da japanischer Zeichentrick in Deutschland – und auch dem gesamten Westen, lange ein Nischendasein fristete. Bis vor wenigen Jahren waren viele bekannte Serien und Filme bei uns nicht einmal legal verfügbar.

Mit dem Aufstieg von Online-Portalen wie Crunchyroll, Anime on Demand und Wakanim, die auf Animes spezialisiert sind, hat sich die Lage geändert. Nun steht für den überschaubaren Markt jedoch eine neue Herausforderung bevor. Netflix verfügt über mehr Budget als alle oben erwähnten Anbieter zusammen und hat das Potenzial der einstigen Nische längst erkannt. Viele Fans befürchten, dass Anime-Plattformen bald obsolet werden könnten.

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Und zum Teil ist diese Annahme auch korrekt. Schließlich haben Crunchyroll & Co. durch die Expansion der Streaming-Riesen ihre Position als exklusive Anlaufstelle für Anime-Fans verloren. Allerdings profitieren sie auch davon, wie ein Blick auf die Zahlen beweist.

So konnte beispielsweise Crunchyroll in den vergangenen 12 Monaten weltweit rund 2 Millionen neue Abonnenten gewinnen und seine Nutzerzahlen auf insgesamt 5 Millionen steigern. Für den deutschsprachigen Raum liegen leider keine Daten vor, aber auch hier dürfte die Entwicklung drastisch gewesen sein. Woran liegt das?

Streaming-Riesen bringen Anime zum Mainstream

Wie es aussieht, verhelfen die Streaming-Giganten japanischen Zeichentrickserien zu größerer Popularität in der Gesellschaft. Animes sind vollständig im Mainstream angekommen. Fast jeder Jugendliche weiß mittlerweile, wofür der Begriff steht.

Für die unbekannteren Streamingdienste ist das eine große Chance. Ihre Zielgruppe hat sich unter anderem dank Netflix und Amazon Prime Video ausgedehnt. Nun gilt es, exklusive Inhalte anzubieten, die sich bei den Video on Demand-Riesen nicht finden lassen. Vorreiter ist hier Crunchyroll, welcher immer häufiger eigene Titel wie Tower of God oder Noblesse in Auftrag gibt und neue Episoden beliebter Serien fast zeitgleich zur japanischen TV-Ausstrahlung zeigt.

Auch Wakanim und Anime on Demand locken mit besonderen Vorteilen gegenüber Netflix. Nur so können die kleineren Plattformen ihren Marktanteil sichern und weiterhin jenen harten Kern an Fans behalten, der Animes nicht nur hin und wieder, sondern regelmäßig schaut und auch kein Problem mit Untertiteln hat.

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Seit 2018 schreibe ich als Redakteur bei shonakid.de. Bei Fragen und Anregungen kontaktiert mich auf Twitter via @the_tobson

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