Ist One Punch Man Staffel 2 schlecht? (Review)

Ist One Punch Man Staffel 2 schlecht? (Review)
© Viz Media

Der One Punch Man Anime sprengte zu seinem Debüt alles zuvor dagewesene. Nur wenige Anime konnten jemals solch einen Sprint-start hinlegen, wie die fröhlich, tragische Heldengeschichte von Saitama. Doch wie schlägt sich die zweite Staffel bislang?

Obwohl der Erfolg von One Punch Man, im Jahre 2015, alle Erwartungen übertroffen hatte, folgt jetzt erst, nach rund 4 Jahren, die zweite Staffel. Eigentlich sollte die Fortsetzung des Seinen-Anime deutlich früher erfolgen, doch aufgrund eines unerwarteten Wechsels der Produktionsstudios, blieb eine Staffel 2 vorerst aus. Aber nun sind wir ja hier, und haben seit dem 2. April kontinuierlich neue Episoden zu sehen bekommen. Und obwohl die Staffel sich momentan noch bei der 5. Folge befindet (The Martial Arts Tournament) will ich in dieser Review darauf eingehen, ob One Punch Man die Standards der ersten Staffel halten kann, oder ob es kläglich scheitert.

Achtung: Diese Review enthält leichte Spoiler zum Anime. Unter anderem Informationen über neue Charaktere, Kämpfe und zukünftiges Geschehen. Allerdings keine Manga Spoiler.

Was denken die Fans?

Bevor ich meinen Senf dazugebe, lasst uns erstmal einen Blick darauf werfen, wie die Allgemeinheit die neue Staffel aufnimmt. Von dem was ich gehört und gelesen habe, wurde One Punch Man in den letzten Wochen nicht gerade in den Himmel gelobt. Schon als der erste Trailer erschien, hagelte es Kritik von allen Seiten. Grund dafür waren der neue Zeichenstil und die enttäuschenden Animationen, welche bei weitem nicht an die erste Staffel heranreichen. Das Problem liegt für die meisten Fans am Studiowechsel. Während die erste Staffel noch von Madhouse animiert wurde, übernimmt diese Arbeit jetzt J.C. Staff – ein Produktionsstudio, dass lange nicht soviel Anerkennung genießt.

Mittlerweile ist die negative Kritik an der neuen Staffel deutlich schwächer geworden und man findet teilweise sogar lobende Stimmen. Dennoch, einen absoluten Durchbruch kann One Punch Man nicht mehr erzielen und der große Hype bleibt aus. Auf MyAnimeList wird die zweite Staffel mit einer soliden Bewertung von 8.02 auf dem 522ten Rang platziert.

Meine Meinung deckt sich ziemlich mit der, der meisten Fans. Ich persönlich habe die erste Staffel des witzigen Heldenepos geliebt. Obwohl ich mich anfangs nicht für die Geschichte von Saitama begeistern konnte, war ich spätestens nach der 4. Folge komplett gefesselt, und ich fing an mich wie ein kleines Kind auf die wöchentlichen Episoden zu freuen. Der Humor, die Charaktere, die gesamte Idee hinter Saitama’s Stärke und natürlich die perfekten Animationen ließen mich nicht mehr los und es schien so, als würde die Serie von Folge zu Folge besser werden.

One Punch Man’s zweite Staffel aber, reißt mich nicht mehr auf ganzer Ebene mit. Obwohl der größte Hauptpunkt die enttäuschenden Animationen sind, gibt es so einige Punkte, die mich an der Fortsetzung stören.

Musik (7/10)

Lasst uns mit dem Opening beginnen. Die erste Staffel lieferte uns ein Intro, dass wir nicht mehr so schnell vergessen konnten. Das Titellied „The Hero“ von der japanischen Band „JAM Project“ war ein rocklastiger Ohrwurm und wurde ein wahres Aushängeschild für die One Punch Man Serie. Kein Lied wäre wahrscheinlich passender gewesen, als dieses und jeder Fan hätte das ikonische Intro in nur wenigen Sekunden erkannt. Beim Opening der zweiten Staffel, sieht das schon anders aus. Mir persönlich schwirrt nicht einmal die Melodie des neuen Titelsongs „Seijaku no Apostle“ im Kopf herum. Nicht einmal nach mehrfachem Hören.

Obwohl das neue Opening nicht schlecht ist, erreicht es einfach nicht den Status, den das Erste bei mir erreichen konnte. Es klingt einfach zu sehr, als hätte man verzweifelt versucht „The Hero“ ein wenig umzukomponieren und darauf gehofft, dass die Fans sich damit zufrieden geben. Es scheint so, als hätte man gar nicht erst versucht, das vorherige Titellied zu übertreffen.

Das neue Opening ist allerhöchstens durchschnittlich. | © K.K. Madhouse

Zum Ending kann ich gar nicht so viel sagen. Ehrlich gesagt interessiert mich dieses auch nicht besonders, weil es wahrscheinlich keinen Anime gibt, bei dem ich mir das Ending öfter als einmal angehört habe (mit Ausnahme von Assassination Classroom). Jetzt wo ich mir aber die Outros der jeweiligen Staffeln angehört habe, muss ich zugeben, dass ich beide nicht gerade überragend finde. Sicher nicht schlecht, aber um es auf die simpelste, mögliche Weise zu beschreiben: „ok“.

Für die restliche musikalische Untermalung gilt dasselbe. Auch wenn diese bei One Punch Man schon immer überdurchschnittlich gut war, kann ich keine Verminderung, kein „Downgrade“, zur ersten Staffel erkennen. Im Gegenteil sogar! Der Themesong vom neuen Bösewicht Garou sticht heraus und baut Stimmung gleichermaßen wie Spannung auf. Wenn seine Melodie ertönt weiß man, dass gleich etwas passieren wird, das uns ordentlich aus den Socken haut. Auch den Song vom S-Klasse Held Metal Bat sollte man nicht vergessen. Ein packendes Instrumental mit prägnanten Rock-Elementen. Perfekt zugeschnitten, auf den willensstarken Kämpfer, der seinen Baseballschläger multifunktional einzusetzen weiß.

 

Animationen (6/10)

Lassen wir die Katze aus dem Sack und kommen zum größten aller Kritikpunkte: Die Animationen. Hätte niemals ein Wechsel von Madhouse zu J.C. Staff stattgefunden, dann wäre der überwiegende Großteil, der im Internet schwirrenden Kritik hinfällig. Und auch ich würde mich dann wohl nicht verpflichtet dazu fühlen, diesen Artikel zu verfassen. Aber leider ist genau das jetzt ein Problem, mit dem wir uns befassen müssen. Doch was genau macht die Animationen denn so unheimlich schlecht?

Zugegeben, J.C. Staff hat keine absolute Fehlleistung hingelegt – doch die Standards sind einfach ungewöhnlich hoch. Immerhin haben wir es mit One Punch Man zu tun: Dem Anime, der sonst immer bekannt für seine überragend guten Animationen war. J.C. Staff kann diese Standards einfach nicht halten. Während man bei der ersten Staffel die Energie jeden Schlags, jeden Angriffs und jeder Bewegung förmlich spüren könnte, bleibt dieser Effekt nun komplett aus. Viel eher wirken die körperlichen Handlungen der Charaktere leblos und wirkungsschwach.

Die Animationen wirken lieblos und schwach. | © K. K. J.C.Staff

Man kann diese Leidenschaft und die Liebe zum Detail, welche in der ersten Staffel noch vertreten war, kein Stück mehr fühlen. Viel mehr scheint es so, als wöllte man die Staffel so schnell wie möglich beenden um bald am nächsten Projekt arbeiten zu können. Dadurch bekommt man teilweise das Gefühl, J.C. strenge sich gar nicht erst an, uns einen unvergesslichen Anime zu servieren.

Trotzdem gibt es hin und wieder mal Lichtblicke. In Episode 3 und 4 waren es sogar ganze Kämpfe, die nicht nur mittelmäßig, sondern tatsächlich gut animiert waren. So zum Beispiel der Kampf Garou VS Golden Ball und die erste Hälfte des Kampfes gegen Metal Bat. Auch das Auftreten der neuen Bedrohung, dem Elder Centipede, sah nicht schlecht aus. Ganz im Gegenteil; das CGI schien realistisch und fügte sich perfekt in die Welt von One Punch Man ein. Auch wenn wir in Episode 5 wieder ein wenig enttäuscht wurden, was die allgemeine Animationsqualität angeht, schlägt sich J.C. Staff mittlerweile besser, als noch zu Anfang.

 

Natürlich kann man J.C. Staff nicht mit Madhouse vergleichen, aber ignoriert man den Fakt, dass die erste Staffel mehr als überragend aussah, kann man behaupten, das die momentanen Animationen solide sind. Sicherlich nicht das, was einen aus dem Sessel haut, aber auf jeden Fall nicht schlecht, verglichen mit den anderen Anime der aktuellen Season.

Zeichenstil (6/10)

Der neue Zeichenstil ist komplette Geschmackssache. Ich persönlich kann mich damit abfinden, muss aber zugeben, dass mir der von Madhouse um einiges besser gefallen hat. Auch wenn sich die meisten Charaktere nur wenig verändert haben, mussten einige unter dem Studiowechsel leiden. Besonderer Fokus liegt hierbei auf Genos, der viel von seinem epischen Erscheinungsbild hergeben musste – hauptsächlich wegen seinen seltsam aussehenden CGI-Armen. Oder auch King, dessen Gesichtsstruktur (wieso auch immer) verändert wurde. Saitama ist noch relativ gut davon gekommen, sieht allerdings stellenweise so aus, als hätte er zu viel Selbstbräuner verwendet.

© K. K. J.C.Staff

Ein in allem gewöhnt man sich aber recht schnell an den neuen Zeichenstil und selbst wenn einem der vorherige besser gefallen hat, kann man nicht behaupten, dass dieser ein kompletter Reinfall wäre. Besonders weil dieser letzten Endes – wie bereits erwähnt – sowieso subjektiv ist.

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