Von der Nische zum Mainstream: Anime im Wandel der Zeit

Von der Nische zum Mainstream: Anime im Wandel der Zeit
© Netflix

Anime-Serien und -Filme erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit, doch das war nicht immer so. Bis zum Durchbruch der japanischen Zeichentrickkunst hat es viele Jahrzehnte gedauert.

Unter dem Begriff „Anime“ kann sich heute fast jeder etwas vorstellen. Die japanischen Zeichentrickfilme sind ein echtes Kulturphänomen, das mittlerweile die ganze Welt erobert hat. Heute werden Filme und Serien im Anime-Stil sogar schon in anderen Ländern produziert, viele kommen allerdings immer noch aus den bekannten Studios in Japan. Die große Beliebtheit des Zeichenstils hat sich allerdings erst mit der Zeit entwickelt. Lange galten Anime und Manga als Nischenprodukte, die nur von besonderen Fans gelesen wurden. Wie schafften es die Filme und Serien jedoch in den Mainstream?

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Ein Blick in die Vergangenheit

Erste Schritte in Richtung des gezeichneten Films entstanden bereits 1877. Damals wurde das Praxinoskop entwickelt, das zum Vorläufer der Kinematografie wurde. Mit den entwickelten Geräten konnte man erstmals einzelne Bilder so abspielen, dass sie wie eine Bewegungsabfolge aussahen. Der erste offizielle Zeichentrickfilm entstand allerdings erst 1906 und wurde von einem US-Amerikaner entwickelt, der verschiedene Gesichter in lustigen Grimassen zeichnete. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass nur ein Jahr später schon der erste Anime gezeichnet wurde. In dem kleinen Film wurde ein Matrose dargestellt, der sich zum Publikum umdrehte und sie begrüßte. Zur damaligen Zeit waren Kurzfilme bereits sehr beliebt, Kinos gab es ebenso schon seit etwa 10 Jahren. Auch in Japan wurden die ersten Kinos eröffnet, damals sah man allerdings vorwiegend Kurzfilme aus Großbritannien, Frankreich oder den USA an. Es dauerte nicht lange, bis die Produktion von weiteren Anime-Filmen angekurbelt wurde. Als erster erfolgreicher Produzent und Zeichner galt Seitaro Kitayama, dessen Kurzfilme erstmals auch außerhalb von Japan gezeigt wurden.

Er gründete daraufhin das erste japanische Studio für Zeichentrickfilme. Anime mit Ton entstanden erst in den 1930er Jahren, als eine Tonspur in amerikanischen Produktionen bereits gang und gäbe war. Für die japanischen Studios war diese davor einfach noch zu kostspielig gewesen. In den 1950er Jahren entstanden erstmals Anime mit Spielfilmlänge, die in den japanischen Kinos andauernd gezeigt wurden und es auch in die internationalen Kinos schafften. Der Film „Der Zauberer und die Banditen“ (Magic Boy) war der erste Anime, der sogar in Deutschland gezeigt wurde.

Seither hat sich die Anime-Szene enorm entwickelt und ist Teil des deutschen Fernsehens geworden. Wer kennt Serien wie Sailor Moon oder Naruto heute nicht? Auch der Trend der Pokémon hat dem japanischen Zeichentrick weiteren Aufwind beschert und eine ganze Generation geprägt.

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Mein Nachbar Totoro | © Pixabay

Der Weg in den Mainstream

Besonders in den letzten 20 Jahren haben Anime enorm an Beliebtheit gewonnen und sind ein wichtiger Teil der Unterhaltungsindustrie geworden. Die Zeichentrickfilme im japanischen Stil werden mittlerweile sogar schon außerhalb des Landes produziert und von anderen Nationen interpretiert. Dazu kommt, dass viele japanische Serien von Hollywood aufgegriffen und in Live-Action-Filmen umgesetzt werden. Bestes Beispiel dafür ist Ghost in the Shell mit Hollywood-Schauspielerin Scarlett Johansson, der auf einem japanischen Sci-Fi-Anime basiert. Die Serie Avatar – Der Herr der Elemente, die ebenfalls verfilmt wurde, wirkt auf den ersten Blick auch, als würde sie aus einer japanischen Schmiede stammen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine US-amerikanische Anime-Produktion. Viele Fans des Genres präferieren trotzdem noch die japanischen Produktionen, die mittlerweile auch für ein internationales Publikum deutlich einfacher zugänglich sind. Der Streaming-Dienst Netflix bietet beispielsweise eine eigene Kategorie für Anime an, in der zahlreiche Titel gefunden werden können. Darin finden Zuschauer Klassiker wie Prinzessin Mononoke und Chihiros Reise ins Zauberland, aber auch Eigenproduktionen von Netflix wie Castlevania, die von einem Videospiel inspiriert wurde.

Darüber hinaus haben Anime auch den Spielemarkt erobert. Mittlerweile gibt es zahlreiche Games, die den japanischen Zeichenstil einsetzen, um bestimmte Stimmungen zu kreieren – z. B. die Spielreihe Final Fantasy. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass viele Videospiele in Japan, Südkorea oder China produziert werden, womit der Zeichenstil näher rückt. Einige Anime-Games stammen aber ebenfalls nicht aus dem asiatischen Raum. Mittlerweile sieht man den Einfluss des Zeichentrickstils schon in fast allen Sparten der Spielebranche, unter anderem auch in Online Casinos. In der breiten Auswahl an Slots findet man immer häufiger Titel, die den Stil wiedergeben und sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Ein Beispiel dafür ist der Automat Moon Princess, der im 888 Casino gespielt werden kann. Das Spiel wurde eindeutig von der Serie Sailor Moon inspiriert und kommt daher besonders bei Fans des Anime gut an.

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Wie geht es weiter?

Mittlerweile zählen Anime schon lange nicht mehr als Nische der Unterhaltungsbranche, sondern haben sich im Mainstream durchgesetzt. Ihr Aufstieg ist damit jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Während viele Menschen Anime viel und gerne konsumieren, wird der Zeichentrickkunst oftmals noch nicht so viel Ruhm und Ehre zuteil, wie sie eigentlich verdient hätte. Die Filme werden im europäischen Raum hauptsächlich in Arthouse-Kinos oder bei besonderen Veranstaltungen gezeigt, selten jedoch als klassische Blockbuster im normalen Kino. Hier gibt es also noch Potenzial nach oben.

Besonders die Filme des berühmten Studios Ghibli finden heute weltweit Anerkennung. Filme wie Mein Nachbar Totoro, Chihiros Reise ins Zauberland oder Das wandelnde Schloss sind mittlerweile Klassiker, die jeder Zeichentrickfan gesehen haben muss. 2020 erscheint außerdem der erste computeranimierte Anime aus dem Hause Ghibli. Sollte dieser große Erfolge mit sich bringen, könnte die Entwicklung in diese Richtung verstärkt werden. Dazu setzt sich der japanische Stil weiterhin in Mainstream-Games durch und wird vor allem in der wachsenden Sparte der MMORPGs und MOBAs gerne eingesetzt. Das wohl bekannteste und beliebteste MOBA aller Zeiten, League of Legends, hat seine Charaktere ebenfalls an den Anime-Stil angelehnt. Nun erscheint sogar eine Serie zum Game, die Arcane heißen und einige der coolsten Champions enthalten wird. Auch hier werden Anime als große Inspirationsquelle dienen. 

Der japanische Zeichentrickstil hat eine lange Geschichte, die mehr als hundert Jahre zurückreicht. Aus den kleinen, bescheidenen Kurzfilmen wurden aufwendige Spielfilme, die oftmals viele Jahre in der Produktion benötigen. Mittlerweile hat der Zeichenstil außerdem die Grenzen Japans verlassen und wird nicht nur international angesehen und bewundert, sondern auch in anderen Ländern produziert. Heute findet man kaum jemanden in Deutschland, der noch keinen Anime gesehen hat, unabhängig davon, ob er die Bezeichnung kennt oder nicht. Anime laufen im deutschen Fernsehen und sind dort ein beliebtes Unterhaltungsprogramm. Für die großen Blockbuster oder das Hauptabendprogramm reicht es hier zwar noch nicht, die Entwicklung geht allerdings in diese Richtung. Ob Anime eines Tages denselben Stellenwert wie Hollywood-Filme in der Unterhaltungsindustrie haben werden, ist zwar fraglich, der Aufstieg des japanischen Zeichentricks ist allerdings noch lange nicht vorbei.

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Seit 2018 schreibe ich als Redakteur bei shonakid.de. Bei Fragen und Anregungen kontaktiert mich auf Twitter via @the_tobson

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